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Persönlichkeiten im Portrait - Barbara Gasser

Es gibt zahlreiche Menschen, die in ihrem Leben schon wahnsinnig viel erlebt und erreicht haben. Passend zum Landjugend-Arbeitsschwerpunkt „Wahnsinn(s)leben…nach mehr streben?!“ werden solche Persönlichkeiten in der LJ Zeitung vorgestellt. In dieser Ausgabe bekommen wir Einblick in das Leben von Barbara Gasser, erfolgreiche Journalistin und unter anderem Mitglied in der Hollywood Foreign Press Association und stimmberechtigt für die Golden Globe Awards.

 

Wie sah Deine Kindheit und Jugend aus und was verbindest Du persönlich mit der Steiermark bzw. Graz?

Meine Kindheit war streng und einfach, gleichzeitig abenteuerlich und frei. Mein Vater war Hausbesorger, meine Mutter Hausfrau. Da wir lange weder Auto noch Fernseher besaßen, mussten meine drei Geschwister und ich bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit unsere Freizeit im Freien verbringen und da waren unserer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mit Theater und Kunst kam ich früh in Berührung, weil mein Vater früher im Schauspielhaus tätig und in einer Dichterrunde war. Wenn ich heute nach Graz komme, genieße ich es, frische Milch beim Bauern in Altgrottenhof zu kaufen, Biogemüse und Biofleisch ab Hof in der Landwirtschaftsschule St. Martin sowie am Kaiser Josef Markt und Lendplatz. Zunehmend schätze ich auch unsere Tracht und trug mein Festtagsdirndl sogar bei den Golden Globes. Mit der Steiermark verbinde ich heute ganz stark Erdigkeit.

 

Wie kann man sich Deinen Alltag als Journalistin vorstellen?

Einen Alltag im Sinn von Regelmäßigkeit gibt es nicht. Ich fliege zu Dreharbeiten, Filmfestivals und führe Interviews auf der ganzen Welt und bin dienstlich fünf Abende in der Woche unterwegs. Es gibt Monate, wo ich mehr in Hotels als in meiner Wohnung wohne.

 

Welche Fähigkeiten sollte man Deiner Meinung für den Journalisten-Beruf mitbringen?

Mut und Disziplin, hohe Flexibilität und Reisebereitschaft. Den Willen, im internationalen Umfeld mit vielen Kulturen, Sprachen und Religionen im Austausch zu stehen. Allgemeinwissen und die Fähigkeit jeden Tag neues zu erfahren. Kommunikationsfähigkeit, ein G`spür für Menschen besitzen, hinhören und zuhören, Situationen nicht ausreizen. Dinge mit ins Grab nehmen können, auch wenn sie eine gewinnbringende Story abwerfen. Wenn jemand EntertainmentjournalistIn werden möchte, um Stars zu treffen, ist er/sie falsch am Platz.

 

Warum verschlug es Dich ausgerechnet nach Hollywood?

Hollywood war eigentlich nie mein Ziel. Amerika dagegen schon. Besonders nach meiner zweiten Krebsoperation reifte dieser Wunsch immer stärker. Der erste Schritt erfolgte im Rahmen eines Stipendium für meine Diplomarbeit (Thema: Leadership), ich wurde von der Graduate School of Journalism an der Columbia University in New York akzeptiert und diese Erfahrung war Goldes wert. Während dieser Zeit gebar meine Schwester Isabella, die in Los Angeles als Maskenbildnerin lebte, ihre Tochter Sabina. Während meines Besuches verliebte ich mich und nach Absolvierung des Studiums übersiedelte ich zu meinem Verlobten nach Los Angeles. Karrieremäßig bedeutete diese Entscheidung: bei der Stunde null beginnen.

 

Welchen wertvollen Rat hat man Dir gegeben als Du nach Hollywood gegangen bist?

"In Hollywood kommen jeden Tag 10.000 Leute an. 9.999 gehen unter. Bilde Dir nicht ein, dass Du die eine Ausnahme bist. Den Erfolg musst Du Dir beinhart und täglich erkämpfen, denn die Konkurrenz ist hier gnadenloser als anderswo auf der Welt." Das hat mir ein Top-Schauspieler nach meiner Ankunft gesagt. Ich erwähne dieses Zitat deshalb, weil sein Rat hart, aber herzlich gemeint war. Ich erlebe oft, dass sich Neuankömmlinge vom Glamour blenden lassen. Um in Hollywood Top-Karriere zu machen, orientiert man sich besser an der Redewendung "There is no Business like Show Business".

 

Du bist Mitglied der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die jährlich die Golden Globes vergibt. Nach welchen Kriterien wird man in die HFP aufgenommen?

Zu den Aufnahmekriterien zählen: zwei HFPA Mitglieder müssen Sponsorship für den Neuantrag übernehmen, Einkünfte aus journalistischer Tätigkeit in einem ausländischen Medium nachweisen, Mitglied der Motion Picture Association of America (MPAA) sein und im Großraum Los Angeles leben. Berücksichtigt werden auch gutes Standing bei den Filmstudios, Publizisten und PR-Managern. In einer geheimen Wahl stimmen alle HFPA Mitglieder ab. Bis zu fünf neue Mitglieder werden pro Jahr aufgenommen. Bei mir klappte die Aufnahme erst beim zweiten Anlauf.

 

Welchen Rat gibst Du Menschen, die ins Ausland gehen wollen?

Für mich war nicht das Ausland die Motivation, sondern die "große, weite und unbekannte Welt". Das war auch der Grund, warum ich das Tourismuskolleg Kleßheim absolvierte, weil ich ursprünglich im Gastgewerbe Fuß fassen wollte. Mein Vorhaben änderte sich, als ich die Aufnahmeprüfung ins Außenministerium schaffte und nach Wien zog. Wenn jemand wirklich ins Ausland gehen möchte, kann ich dazu nur raten. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man sich am Ende des Lebens vorwirft: "Hätte ich doch...". Ich erachte es für wichtig, alles zu versuchen. Wenn man auf die Nase fällt, steht man wieder auf. Nur aus Erkenntnissen und Erfahrungen lernt man, entwickelt man sich weiter und gelangt zu einem erfüllten Leben.

 

Was ist für Dich im Moment die größte Herausforderung?

Ich habe eben eine dritte Krebsoperation hinter mir (BRCA1 Mutation). Meine jüngste Schwester Isabella und mein Vater sind an Krebs verstorben. Mein Lebensgefährte an einem Herzinfarkt. Man gewöhnt sich nie an vernichtende Nachrichten, aber ich bin eine Kämpfernatur und stark. Schwäche zuzulassen, das ist eine Herausforderung. Ich habe mich mit dem Tod intensiv auseinandergesetzt, so habe ich keine Angst vor dem Sterben. Ich stecke mir keine Ziele, trotzdem lebe ich nicht planlos. Ich nehme das Leben wie es ist.

 

Was möchtest Du beruflich noch erreichen?

Ich würde gern ein Buch schreiben und möchte mein Know-how an die nächste Generation weitergeben.


Was motiviert und inspiriert Dich?

Spaziergänge und Gespräche mit Freunden, da lasse ich mich fallen und fühle mich geborgen. In meinem Beruf inspirieren mich Respekt und Weisheit. Innovative und kreative Menschen mit dem Herzen am rechten Fleck.

 

Bei welchem historischen Ereignis wärst Du gerne dabei gewesen?

Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages hätte ich gern miterlebt, das überwältigende Gefühl der wiedergewonnen Freiheit und die Wiedergeburt der 2. Republik. Gern dabei gewesen wäre ich auch beim letzten Interview mit Howard Hughes, der für mich nicht der verrückte Millionär ist, sondern einer der größten Visionäre des 20. Jahrhunderts.

 

Welche Charaktereigenschaft schätzt Du an Menschen am meisten?

Großzügigkeit, Herzenswärme, Hilfsbereitschaft und Respekt. Am wenigsten schätze ich Geiz und Neid.

 

In Hollywood gilt es, schön und schlank zu sein. Wie nimmst Du das war?

Schönheit und Schlanksein werden in Hollywood vor allem bei Schauspielerinnen als Erfolgskriterien bewertet. Dementsprechend floriert das Geschäft mit den Schönheitsoperationen. So klischeehaft es klingt, Schönheit kommt von innen heraus und hinreißende Ausstrahlung ist nicht käuflich. Glücklicherweise gibt es Beispiele wie Melissa McCarthy oder Amy Schumer, aber auch Reality Starlet Kim Kardashian, die keine Modelmaße aufweisen und extrem erfolgreich sind.


Es wird bekrittelt, dass es zu wenige anspruchsvolle Filmrollen für Frauen und Farbige gibt. Wie beurteilst Du die Situation?

Sandra Bullock erzählte mir, ihre Rolle in "Die Wahlkämpferin" war ursprünglich für einen Mann geschrieben. Dass diese für die Oscar-Gewinnerin umgeschrieben wurde, ist die Ausnahme und nicht die Regel. Bei den Oscars wurden heuer keine farbigen Schauspieler nominiert. Dass die Academy-Vorsitzende die eigenen Mitglieder deswegen öffentlich kritisiert, führt hoffentlich zu einem Umdenken und besseren Rollen für Frauen und Minderheiten.

 

Welchen Film könntest Du Dir immer wieder anschauen?

"Die Feuerzangenbowle" und "Krambambuli". In letzter Zeit gefielen mir gut "Rush", "Das brandneue Testament" und "Raum".

 

Was bedeutet für Dich ein "Wahnsinns-Leben" und führst Du ein solches?

Ein Wahnsinns-Leben führen für mich Menschen, die über sich hinauswachsen, die eigenen Grenzen sprengen und glücklich sind. Ich hoffe, ich führe ein normales Leben.

 

Welchen Wunsch möchtest Du Dir erfüllen?

Ich wünsche mir ein paar Wochen Schlaf-Urlaub, nur Natur um mich, kein Internet und  Handy.

 

Schenke uns abschließend bitte eine Lebensweisheit.

Nimm Dir Zeit, um herauszufinden, wer Du bist. Lebe so wie Du leben möchtest und verschiebe nichts auf morgen.

 

Interview geführt von Marlene Schruf.

 


Über Barbara Gasser

  • Barbara Gasser ist gebürtige Grazerin und arbeitet seit einigen Jahren als Journalistin in Los Angeles.
  • Ihre Ausbildung absolvierte sie ursprünglich im Bereich Tourismus und studierte anschließend Publizistik.
  • Zu ihren Interviewpartnern zählen unter anderem Steven Spielberg, Tom Cruise und Jennifer Lawrence.
  • 2011 wurde sie in die Hollywood Foreign Press Association aufgenommen, welche jährlich die Golden Globes verleiht.
  • Als erste österreichische Journalistin wurde Barbara Gasser in den Vorstand des Los Angeles Press Clubs gewählt, einem der ältesten und prestigereichsten Journalistenclubs in den USA.

 

Fotocredit: HFPA
Fotocredit: HFPA

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