Genussheft Jagerberg – REGIONAL genießen, NACHHALTIG handeln
Landjugend Ortsgruppe Jagerberg
Projektzeitraum:
April bis November 2025
Das Projekt „Genussheft Jagerberg“ entstand im Rahmen eines zertifizierten Ausbildungslehrgangs (AufZaq der Landjugend Österreich, welcher von unserem Obmann Stv. Markus Marbler absolviert wurde) und verfolgte das Ziel, Regionalität, Nachhaltigkeit und bewussten Konsum in der Gemeinde sichtbarer zu machen. Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass kleine Gemeinden oft unterschätzte, aber äußerst starke Partner sind, die über wertvolle Ressourcen, engagierte Menschen und eine lebendige regionale Vielfalt verfügen. In Zeiten zunehmender Ortskernausdünnung wollte das Projekt gezielt gegensteuern und aufzeigen, welches Potenzial in lokalen Strukturen steckt und wie wichtig es ist, diese zu stärken und sichtbar zu machen.
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines Genusshefts, das regionale Betriebe, kulinarische Rezepte, pädagogische Inhalte und Bewusstseinsbildung miteinander verbindet. Das Heft sollte nicht nur Informationen liefern, sondern auch inspirieren, regionale Produkte wertzuschätzen, kurze Wertschöpfungsketten zu nutzen und den Blick für das, was direkt vor der Haustüre wächst, zu schärfen. Gleichzeitig sollte es ein greifbares Produkt sein, das der Bevölkerung langfristig zur Verfügung steht.
Zu Beginn wurden vier zentrale Projektziele formuliert:
(1) die Präsentation und Wertschätzung regionaler Direktvermarkter:innen,
(2) die Sensibilisierung für bewussten und nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln,
(3) die Stärkung der regionalen Kaufkraft durch Sichtbarmachung lokaler Angebote
und (4) die Schaffung eines dauerhaft nutzbaren Produktes, das die Identität der Gemeinde widerspiegelt.
Darüber hinaus war es ein wichtiges Anliegen, die Gemeinde selbst – ihre Vielfalt, Traditionen, Besonderheiten und Menschen – in den Mittelpunkt zu rücken und in unserer Region sichtbar zu machen.
Ein wesentlicher Teil des Projekts war die enge Zusammenarbeit mit der Volksschule. In zwei Kochtagen wurden gemeinsam mit den Kindern regionale Gerichte zubereitet, wobei Themen wie Regionalität, Saisonalität, Nachhaltigkeit und Direktvermarktung unmittelbar erlebbar wurden. Die Kinder arbeiteten aktiv mit, schnitten, kochten, verkosteten und reflektierten über den Ursprung der Lebensmittel. Begleitend wurden Zeichnungen und kreative Beiträge gestaltet, die später in das Genussheft aufgenommen wurden. So entstand nicht nur ein Produkt mit authentischen und kindgerechten Elementen, sondern auch ein neues Bewusstsein bei den Schüler:innen für regionale Ernährung, Umwelt und Wertschöpfungskreisläufe.
Neben dem kulinarischen Aspekt wurde besonderer Wert auf Abfallvermeidung und Ressourcenschutz gelegt. Dazu wurde ein eigenes Mülltrennsystem aus Holz entwickelt und gemeinsam mit den Kindern kreativ gestaltet. Dieses System wurde nach Projektabschluss für jede Klasse der Volksschule dauerhaft übergeben, sodass es langfristig im Unterricht und Schulalltag eingesetzt werden kann. Ergänzt wurde dies durch Stationen zum Thema Lebensmittelverschwendung, einen Workshop zur richtigen Mülltrennung und weitere praktische Lerneinheiten, die den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen in den Vordergrund stellten. Diese Stationen führten wir an einem eigens eingerichteten Projekttag in der Volksschule durch.
Für das Genussheft selbst wurden rund 20 Direktvermarkter:innen der Gemeinde recherchiert, besucht und ausführlich vorgestellt. Zusätzlich wurden 25 Rezepte entwickelt, getestet und so ausgewählt, dass sie zu mindestens 90 % mit regionalen Zutaten aus der Gemeinde oder unmittelbaren Umgebung zubereitet werden können. Damit sollte sichtbar werden, wie vielfältig und reichhaltig das Angebot regionaler Produkte tatsächlich ist und wie einfach es ist, hochwertige Gerichte mit lokalen Zutaten zuzubereiten.
Die Umsetzung des Projekts war mit einem erheblichen Engagement verbunden: Über 2.000 Stunden flossen in Planung, Organisation, Kochtage, Design, Recherche, Druckvorbereitung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Resonanz war überwältigend – über 300 Exemplare des Genusshefts wurden bereits verkauft und fanden sowohl in der Gemeinde als auch darüber hinaus großen Anklang.
Ein bedeutender Höhepunkt war die öffentliche Projektpräsentation am 10. August 2025 am Marktplatz Jagerberg. Rund 500 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, wodurch das Projekt eine enorme regionale und überregionale Sichtbarkeit erlangte. Neben zahlreichen Besucher:innen aus der Bevölkerung nahmen auch Vertreter:innen der Landespolitik teil, darunter die Landesräte Simone Schmiedtbauer und Stefan Hermann. Sie würdigten das Projekt als beispielgebenden Beitrag zur Stärkung regionaler Strukturen und als Modell dafür, wie Gemeinden durch kreative Initiativen ihre Identität stärken können. Die Präsentation zeigte eindrucksvoll, dass Jagerberg – trotz seiner Größe – über starke Netzwerke, engagierte Menschen und eine hohe Innovationskraft verfügt.
Das Projekt brachte der Gemeinde nicht nur eine interne Stärkung, sondern machte sie auch überregional sichtbar. Die regionalen Produzent:innen wurden vor den Vorhang geholt, ihre Arbeit gewürdigt und ihr Angebot breiter bekannt gemacht. Gleichzeitig erhielten Kinder und Erwachsene ein neues Bewusstsein für regionale Ernährung, nachhaltiges Handeln und die Bedeutung lokaler Wertschöpfung.
Für die innovative Umsetzung wurde das Projekt mit dem Jugendinnovationspreis 2025 des Steirischen Vulkanlandes (1. Platz) ausgezeichnet – eine besondere Anerkennung für Engagement, Kreativität, regionale Zusammenarbeit und nachhaltige Wirkung. Damit bestätigt sich, dass selbst kleine Gemeinden Vorreiter sein können, wenn es darum geht, regionale Entwicklung aktiv zu gestalten und Zukunftsprojekte erfolgreich umzusetzen.